Die Pilgerreise beginnt. Wie an jedem Etappentag ist frühes Aufstehen angesagt. Salamanca schläft noch, während wir ein beliebtes Frühstücklokal um die Ecke aufsuchen, welches bereits seit 7 Uhr geöffnet ist. Hier gibt’s Formatfrühstück, für mich – nach dem ich ich mich am Vortag noch auf das Spanische gestürzt hatte – landesuntypisch ein Englisches und für Eva ein Gesundes, wobei wir bis zum Ende nicht herausgefunden haben, was außer Tomaten beim Gesunden noch enthalten war. Es war zumindest noch Kochschinken und Frischkäse sowie ein Joghurt zu sehen. Brot gab’s dazu nicht. Kohlenhydrate werden auch überbewertet, gelten in bestimmten Ernährungszirkeln als nicht gesund. Und von den komischen gold-gelben Streifen fangen wir lieber gar nicht erst an zu berichten.
Da es die erste Etappe ist, muss der Rucksack komplett neu gepackt werden, was aufgrund fehlender Routine mehr Zeit als üblich in Anspruch nimmt. So starten wir etwas später als geplant über den Plaza de Mayor Richtung Norden. Es dauert eine Zeit lang, bis wir die innerstädtischen Straßen hinter uns lassen und vor den Toren von Salamanca über Ausfallstrassen endlich auf die Piste gelangen, da haben wir schon locker 5 km hinter uns….
Etwas denkwürdig ist es ja schon, einfach so über Land- und Schnellstraßen zu gehen, aber bald sind wir auch schon auf einem Feldweg, der uns durch zwei kleinere Ortschaften führt.

Die Jakobsmuscheln, die den Pilgern den Weg weisen sollen, schlagen eigenartige Wege vor, die so nicht im Reiseführer zu finden sind. Also nehmen wir auf gut Glück mal die rechte und mal die linke Abzweigung, wird schon alles gut gehen.
Und das tut es auch. Nach ziemlich genau vier Stunden sind wir also in Calzada de Valdunciel angekommen und machen uns auf die Suche nach einer Unterkunft für die Nacht.
Bereits am Vortag haben wir bei einer Pension namens „El Pozo“ angefragt, ob es möglich wäre, ein Zimmer zu reservieren, haben auf diese Mail allerdings keine Antwort erhalten. Als wir dann persönlich vor Ort sind, sitzen vier ältere Herren vor dem Haus und sagen uns knapp, dass die Unterkunft in den Ferien ist. Ist auch besser so, weder die Herrschaften noch die Pension machen den besten Eindruck.
Also geht der Weg weiter zu einer Pilgerherberge.

Diese erscheint auf den ersten Blick ordentlich, sauber und einfach. Oscar, den Betreiber der privaten Herberge, kennen wir schon. Er kam uns ca 3 km vor Calzada auf der Via de la Plata entgegen, um für seine Unterkunft Werbung zu machen. Nach kurzer Verwirrung, da er dort nicht vorzufinden ist, kommt eine Bekannte des Besitzers vorbei, zeigt uns ein Vierbettzimmer und sagt, dass der Besitzer gleich kommt. Als dieser dann da ist, zeigt er uns zum Glück noch ein einfaches Doppelzimmer, dass wir dann auch gleich beziehen. Man muss betonen einfach: außer einem frisch bezogenen 140-cm-Bett steht da nicht viel drin. Kein Stuhl, keine geeignete Ablage. Selbst die frischen Handtücher können weder dort noch im Gemeinschaftsbad aufgehängt werden.
Nach einer kurzen Pause geht es zu einer Bar an der Hauptstraße, die, wie uns schnell klar wird, auch das Restaurant für diesen Abend darstellt.
Wir bestellen ein Wasser und zwei Bier bevor wir mit einem kleinen Abstecher in den lokalen Supermarkt wieder zurück in die Herberge gehen, denn Essen gibt es erst um 8. Um 8 sind wir dann wieder im Restaurant und es heißt, es gäbe Essen erst um 9 Uhr. Lustige Menschen sind das hier.
Letztlich ist es doch noch ein lecker Essen geworden. Vorspeise Paella, Hauptspeise Schweinebraten mit Bratkartoffeln. Und Karamellpudding zum Abschluss. Was ein richtiges Pilgermenu so ausmacht. Für 10 Euro versteht sich. Geht doch.
Nachher in der Jugendherberge wird’s noch mal spannend. Eva hat die Tierchen schon entdeckt. Das heißt nicht ganz. Sie hat sie krabbeln hören. Wie gesagt, das wird noch spannend…