03.10. – Villanueva de Campeán

Nach dem gestrigen Tag machen wir uns heute also auf den Weg nach Villanueva de Campeán, wo wir nicht auf den besonderen Wunsch einer einzelnen Dame in eine Frühstückspension ziehen, sondern uns auf Grund verschiedener Faktoren (wie zum Beispiel die Gemeinschaftsbäder der letzten Tage) gemeinsam dagegen entschieden haben, eine weitere Nacht in einer Pilgerherberge – ob nun öffentlich oder privat – zu verbringen.
Also machen wir uns nach einem kleinen, aber feinen Frühstück von der netten Bäuerin auf den Weg.

Schnell wird klar: Für mich waren die 20km gestern ein bisschen zu viel. Bereits nach einem Drittel der Strecke merke ich meine Füße und meine Knie, für die ich die Bandagen – bestimmt aus diversen, logischen Gründen – ganz unten in den Rucksack gepackt habe. Diese jetzt rauszuholen, ist also keine Option. Blöd gelaufen, würde ich mal sagen.
Bei unserer ersten Pause holen uns zwei andere deutsche Pilger ein, die auch schon bald über alle Berge sind (wobei man in diesem Fall lieber von Hügeln sprechen sollte). Als wir unsere dritte Pause beginnen, haben wir beide ein leichtes Grummeln im Magen und holen zwei Bananen aus dem Rucksack, die wir gestern auf Vorrat gekauft haben. Die Bananen zu schälen, ist allerdings auch ein Akt für sich. Fast noch komplett grün gestaltet es sich schwierig die Schale abzuziehen, demnach dauert es länger die Bananen aus ihren Hüllen zu pulen, als sie tatsächlich zu essen.
Nach ein paar weiteren Kilometern sind wir in Villanueva de Campeán angekommen, stehen aber vor einer verschlossen und verlassenen Pension.

Einchecken kann man erst ab 15 Uhr. Also gehen wir in die Bar des Ortes, die zugleich die private Pilgerherberge bewirtschaftet. Dort treffen wir direkt auf unsere Bekannte mit der wir schon die letzten beiden Tage verbracht haben. In der Bar stärken wir uns zunächst mit Kaffee und Wasser, bis Papa mich drei Mal fragt, ob ich mir nicht die leckeren Schokocrossaints an der Bar ansehen möchte und ihm bei der Gelegenheit gleich eines mitbringen kann. Letztlich entscheiden wir uns für eine Plata Combinada für jeden von uns.
Um 15 Uhr sind wir zurück an der Pension und es ist immer noch keine Sicht von den Besitzern. Nach ein paar Minuten rufen wir bei der Nummer der Unterkunft an und eine beschäftigt klingende Frau sagt uns, sie sei in fünf Minuten da. Drei Minuten später kommt ein schwarzer Geländewagen um die Ecke gerast und wir lernen die Frau kennen, mit der wir eben noch telefoniert haben.
Auf unserem Zimmer – mit eigenem Bad – packen wir unsere Rucksäcke aus, um danach direkt duschen zu gehen. Und es ist tatsächlich eine Dusche drin, bevor plötzlich das Wasser nicht mehr fließt. Die Besitzerin weiß sich auch nicht zu helfen und drückt uns eine große Flasche Wasser in die Hand. Falls sich jemand für das weitere Vorgehen interessiert: Ich lasse die Flasche, die Papa kurze Zeit später schon zum Auffüllen seiner leeren Trinkflaschen benutzt, links liegen und warte, bis das Wasser um 18:30 Uhr wieder eingeschaltet ist.

Zurück in der Bar, beim Abendessen, das aus Russischem Salat, Fisch/Schwein und – als schwacher Abgang – aus gekauftem Eis in einer Joghurtpackung besteht, erfahren wir von einem anderen Deutschen, der sich hier ausschließlich in Deutsch zu verständigen weiß und sich mit Händen und Füßen bereits mit unserer Bekannten und einem Franzosen über Habichte ,,unterhalten“ hat (das muss ein schlechtes O(h)men sein), dass im ganzen Ort das Wasser ausgefallen sei und ihm zu allem Überfluss auch noch sein linker Kopfhörer kaputt gegangen sei und das direkt bevor seine Brille einfach so in ihre Einzelteile zerfallen sei. Die hatte bestimmt auch keine Lust mehr, sich seine Geschichten nach einer halben Flasche Wein anzuhören. Nach einem letzten Bier für Papa ergreifen wir die Flucht, weil ,,Alter Schwede!“ Das. War. Belastend. Wir wollen nicht unerwähnt lassen, dass dieser Deutsche aus Ostwestfalen stammt.

Morgen geht es mit 18 finalen Kilometern nach Zamora, wo wir für zwei Nächte einkehren werden. Vielleicht werden wir ja die Kanadier von gestern dort treffen, wer weiß und vielleicht legt unsere Bekannte aus Portugal ja genau dieselbe Strecke zurück wie wir. Wäre nicht das erste Mal. Nur unseren neuen deutschen Freund, den ich mit Herzen Peter getauft habe, da ich nicht mitbekommen habe, wie er sich vorgestellt hat, muss ich nicht unbedingt wiedersehen. Dürfte auch schwierig werden, zumal er die andere Richtung einschlägt, akso die, aus der wir heute gekommen sind. Verkehrte Welt…
Nimm’s mir nicht übel, Peter. (So schreibt man übrigens einen Blogeintrag, falls du dich noch immer wundern solltest, wie das denn geht.)

Ein Kommentar zu „03.10. – Villanueva de Campeán

  1. Oh man, und ich hatte mich schon die ganze Zeit gefragt, wer von Euch immer das zweite Bier bekommt, das Ihr in jeder Bar bestellt… Salud!

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