Heute also Zamora, die letzte Etappe des ersten Abschnitts, bevor wir einen Ruhetag einlegen werden.
Die Nacht war sehr unruhig. Wir haben in unserer Unterkunft unter dem Dach übernachtet, unter einer Holzkonstruktion, die offensichtlich vielen Tieren eine Heimat gegeben hat. Im Dunkeln hat man jedenfalls den unmittelbaren Eindruck, als ob Tiere – welche auch immer – durch das Zimmer laufen. Aber alles Absuchen der Holzdecke hilft nichts, da ist nichts zu sehen, nur deutlich zu hören. Die Nager und Kriecher befinden sich offensichtlich oberhalb der Holzvertäfelung. Trotzdem ein ungewohntes Erlebnis. Genau so wie das Vögelzwitschern aus dem Badezimmerabluftschacht. Eva hat so tief und fest geschlafen, sie hat von dem Spektakel nichts mitbekommen. Besser ist das!
Das Frühstück haben wir zu Dritt eingenommen, zusammen mit einem Norweger im Rentenalter, den wir gestern schon in der Bar getroffen hatten. Genauso wie wir hatte er sich von dem Pilgertisch ferngehalten. Insofern wundert es nicht, ihn hier anzutreffen, anstatt in der 300 m entfernten privaten Herberge. Er spricht gut Deutsch und wir kommen ins Gespräch. Er ist auf dem Weg nach Sevilla. Wir wünschen ihm viel Glück, zumal es ihm etwas an Orientierungssinn fehlt. Gestern war er sieben Stunden in die falsche Richtung gelaufen. Ein mitfühlender Einheimischer hat ihn dann nach Zamora zurückgefahren, von wo aus er mit dem Bus an das Zwischenziel Villanueva de Campeán gelangte.
Um 09.30 Uhr geht es auf die Piste bei frischen 10 Grad.

Wir gehen eine von Wiesen und Feldern gesäumte Piste 4 km geradeaus. Wir sind immer noch dabei, den richtigen Modus zu finden, um Verletzungen und vorzeitige Erschöpfungen zu vermeiden. Das gelingt nur bedingt. Insbesondere der Versuch, langsamer zu gehen, ist nicht einfach. Auch wenn wir das Tempo gefühlt drosseln, stellt sich später nach Auswertung der GPS-Daten heraus, dass wir sogar noch einen Tick schneller unterwegs sind als am Vortag. Das ist nicht gut und macht sich auf der Distanz bemerkbar.
Nach den ersten vier Kilometern geht es rechts weiter. Ein nicht zu übersehender Hinweis am Wegesrand macht deutlich, dass man hier auch geradeaus gehen könnte. Dann würde man in ca. einem Kilometer nach San Marcial gelangen, wo sich eine nette Bar befindet. Zeit für eine erste Pause, die wir ja bisher zu wenig einlegen. Aber – diesmal wirklich auf Wunsch einer einzelnen Dame – biegen wir rechts ab und folgen dem offiziellen Weg, der uns dann kilometerlang durch offene Felder und Wiesen unter einer immer mächtigeren Sonne führt. Bis Zamora gibt es dann auch keine wirkliche Gelegenheit für eine richtige Pause mehr. Es geht immer weiter über Schotterpisten, die mal breiter werden oder sich über kleine Hügel durch angrenzende Felder schlängeln.
Nach rund 11 km gelangen wir auf eine Anhöhe, auf der wir das erste Mal Zamora erblicken. Von nun an sehen wir die Stadt immer mal wieder. Sie liegt direkt vor uns, ist dennoch für uns sehr weit weg. Es dauert von hier noch einmal lange, zähe 2,5 Stunden bis wir an den Stadtrand gelangen. Hier erhebt sich am Ufer des Duero die mächtige Stadtmauer, hinter der die romanisch-romantische Altstadt von Zamora und die Kathedrale zu sehen sind. Am Ufer des Flusses mit diesem gigantischen Anblick erholen wir uns von der strapaziösen heutigen Route.

Bis in die Innenstadt und zur Unterkunft sind es aber noch 1,7 km.
Die schaffen wir dann aber auch noch und kommen nach 5 Stunden und 45 Minuten sowie 18,6 km dort an. Die Strecke war etwas kürzer als die von Calzada nach El Cubo, aber doch deutlich anstrengender. Es sollte an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, dass ich beim letzten Mal von El Cubo bis Zamora durchgelaufen bin und in Villanueva de Campeán nur eine Mittagspause eingelegt habe.
Den Abend lassen wir gemütlich bei Tapas in einem Café in der Nähe der Unterkunft ausklingen, verfolgen neugierig die intelligenten Kommentare 😂 auf dieser Webseite und beobachten das Treiben in den Straßen von Zamora. An einem 4. Oktober abends bei noch 24 ° C in einem Straßencafé zu sitzen, das hat doch etwas. Wir freuen uns schon auf den nächsten (Ruhe-)Tag in dieser Stadt.