Heute mal ganz spät unterwegs. Erst um 9 Uhr gehen wir los, um zu frühstücken. Das Café, bei dem wir gestern nach den Öffnungszeiten gefragt haben (9 Uhr), hat noch geschlossen. Also gehen wir weiter auf der Suche nach einem geöffneten Lokal. Sieht alles ziemlich trostlos aus. Als wir eine Gruppe Spanier treffen, die uns schon im Hotel aufgefallen war, beschließen wir, ihnen zu folgen und landen prompt in einem kleinen Café, in dem wir wenige Minuten später schon unsere Bestellung auf dem Tisch haben. Die Standards hier sind einfach andere. Und das alles nur für 6,20 € (zwei Tostadas, sechs – frisch gemachte – Churros, ein Café con Leche und ein Cola Cao).
Reichlich spät – um 10 Uhr – gehen wir dann tatsächlich los. Der (neue) Weg führt uns nicht wie bisher mitten durch Benavente, sondern weiter über die zugeschütteten Bahnschienen.

Der Weg ist nicht spektakulär erlebbar, aber definitiv spektakulär lang. Wir machen in zwei kleinen Orten Pause, wobei der zweite eigentlich nur aus einem verlassenen Bahnhof, einer alten, geschlossenen Kneipe und einer Lagerstätte besteht.

Der richtige Ort liegt wohl ein klein wenig weiter rechts, meint Papa. 17 lange Kilometer sind wir also nur auf den Schienen unterwegs und Papa äußert sich mehrfach darüber, dass wir ja eigentlich schon lange irgendwo links eine Abzweigung hätten nehmen müssen und irgendwas falsch gelaufen sein muss – in dem Fall sind das wohl wir. Doch plötzlich hört der neu präparierte Weg unvermittelt auf und die Bahnschienen sind wieder zu sehen.

Hier biegen wir tatsächlich links ab und gehen an der gefährlichen Landstraße LE 114 entlang, die Autos brausen hier mit über 100 km/h an uns vorbei. Nach Papa sind wir in einer Stunde da. Eine Stunde später (zumindest glaube ich das, ich habe allerdings keine Uhr) stoppen wir und fragen unseren guten Freund Google Maps. Der meint, wir wären in 56 Minuten am Ziel. Na toll. Also geht es weiter geradeaus an der Landstraße entlang, bis wir irgendwann eine Abzweigung nach halb links einschlagen. Und auf ein Mal ist Papa wieder ganz munter. Vor uns liegt die alte, römische Brücke über den Órbigo, die er wegen des neuen Wegs bereits als verpasst geglaubt hatte.


Die Brücke markiert auch die Grenze zwischen den Provinzen Zamora und León. Hier machen wir unsere letzte Pause, bevor wir uns den Rest der heutigen Etappe wieder entlang der LE 114 vornehmen.
Endlich im Ort angekommen, müssen wir allerdings noch eine Weile weiter laufen, bis wir an der Unterkunft, die uns noch per Mail eine Rückmeldung gegeben hatte, während wir auf dem Weg waren, angelangt sind. Dort werden wir herzlich empfangen, bekommen gleich zwei Getränke und eine kleine Stärkung in Form von Tapas. Sehr zuvorkommend. Der Besitzer und Koch hat mal in Recklinghausen gearbeitet, wie sich herausstellt.
Auf dem Zimmer packen wir schnell die Rucksäcke aus und duschen, damit wir zügig in die Bar Rua II gegenüber gehen können, um zu essen und heute früher schlafen zu gehen. Aber als ich meinen Rucksack grade öffne, stellt sich mir eine kleine, aber bedeutende Frage: Frühstück ist im Preis mit drin, was machen wir also mit den Donuts, die wir gestern als Frühstücksersatz für Montagmorgen gekauft haben? Papa weiß sofort eine Antwort: Notschlachtung, jetzt essen.
Nach den fragwürdigen Donuts gehen wir trotzdem noch in die Bar und bestellen Calamares und Kroketten. Die Kroketten sind zu meinem Bedauern in der Mitte fast noch gefroren. Ich hatte mir mehr erwartet. Meine Haut teilt mir auch schon seit einigen Tagen mit, dass meine Ernährung – auf gut Deutsch – scheiße ist. Ick freue mir. Jetzt nur noch eben den Tag morgen strukturieren und dann geht es auch ins Bett. Was Papa dazu noch zu sagen hat: ,,Das ist ja ein doofer Weg morgen.“
Motivation ist vorhanden.
Anmerkung zur Route von Benavente nach Alija del Infantado für künftige Pilger:
Die stillgelegte Bahntrasse wurde von Barcial del Barco aus nicht nur bis Benavente (km 8) präpariert, sondern bis Maire de Castroponce (km 25, Ende an der Autobahnabfahrt Alija del Infantado). Der Vorteil liegt darin, dass die Route nicht mehr direkt durch Benavente und dann 4 km an/auf der Landstrasse entlang führt, sondern am alten Bahnhof in Benavente vorbei an einer ehemals beschriebenen Abkürzung, damit erspart man sich bis Villabrázaro schon einmal einen Kilometer und läuft entspannt durch die Natur.
Der Nachteil besteht darin, dass die päparierte Bahntrasse kurz nach Villabrázaro nach rechts wegschwenkt und die klassische Route verlässt. Dadurch landet man unvermittelt an der Autobahnabfahrt Alija del Infantado und muss von dort die gefährliche LE 114 entlang gehen mit einem Umweg von 3 km. Also liebe Pilger, wenn ihr diese Route gehen wollt, ist es besser, ab Villabrázaro der klassischen Route durch den Ort zu folgen. Oder spätestens die Bahntrasse dann zu verlassen, wenn eine Ausschilderung nach Pobladura del Vaile zu sehen ist. Der Ort liegt rechts, hier die Bahntrssse nach links verlassen, nach 200 m rechts halten und später nach ca. 800 m wieder rechts auf die wenig befahrene Strasse nach Maire de Castroponce einbiegen. Ab hier müsste die Via de la Plata wieder mit den klassisch-gelben Pfeilen ausgeschildert sein. Insgesamt dürfte sich ab Benavente-Bahnhof dadurch eine Ersparnis von 700 – 1000 m gegenüber der alten Route durch Benavente ergeben.