Heute soll sich unsere Abreise mal anders gestalten. Da wir in unsere Unterkunft nicht wieder hinein kommen, wenn wir sie verlassen, haben wir schon gestern Abend beschlossen, alles zu packen und wortwörtlich mit Stock und Hut die Unterkunft für das Frühstück bereits um 8 Uhr zu verlassen. Auch wollen wir etwas früher los als an den Vortagen, da wir mit 25 km die bisher längste Etappe vor uns haben.
Bei dem Café angekommen, bei dem Papa gestern noch nach den Öffnungszeiten gefragt hatte (Auskunft: ab 8 Uhr), schüttelt man nur den Kopf, zeigt in eine andere Straße und verzieht sich in das Lokal zurück. Wir schauen uns die bezeigte Straße und zwei abzweigende von dieser an: sieht sehr schlecht aus. Papa regt sich auf und ich – als trainierter Morgenmuffel – kriege immer schlechtere Laune. Mir wird der Vorschlag unterbreitet, einfach loszugehen und im nächsten Ort (6 km von hier) mal nach einem Lokal zu suchen. Hier schalte ich alle sozialen Kompetenzen ab, hole mein Handy und meine Lebensretter in jeder Situation, die Kopfhörer, raus und drücke auf Play. Die Musik passt zwar überhaupt nicht zu Spanien, so mal eines der Lieder von Italien handelt, aber das ist mir recht, solange ich mich ablenken kann. Wir gehen also los und genau die Straße, die wir nicht mehr nach Cafés abgesucht haben, beherbergt ein geöffnetes, in dem wir dann auch – wider Erwarten – sehr gut frühstücken. Am Ende hat doch alles einen Sinn 🙂
Mit erhobener Laune maschieren wir los und Papa erzählt mir zum wiederholten Mal, dass er sich, als er vor vier Jahren hier war, auf dieser Etappe verlaufen hat und am Ende gar kein Bock mehr hatte. „Aber dieses Mal wissen wir es ja besser.“, sagt er und biegt links über einen Pfeil, der nach rechts zeigt, ab… Ich glaube auch.
Kurz hinter dem Ortsausgang von La Bañeza treffen wir wieder auf unsere alte Bekannte: die stillgelegte Bahntrassse, hier noch unpräpariert und im ursprünglichen Zustand. Über eine alte Bahnbrücke überqueren wir den Fluß Duerna

und laufen über schmale Pfade und durch Felder Richtung Palacios de Valduerna, dem nächsten Ort.
Die 25 km sind hart. Vor allem weil nach dem ersten Ort (Palacios de Valduerna), an dem wir von einer älteren Frau mit Flyer über die Geschichte der Gemeinde begrüßt und wie Promis nach Bildern von uns gefragt werden, die sie in einem Pilgermuseum aufhängen will, für weitere 13 km nicht nur keine Ortschaft mehr sehen werden, sondern überhaupt keinerlei Zivilisation. Wir laufen einfach kilometerlang geradeaus durch eine verwegene Landschaft bestehend aus Steineichen und Zystrosen, und: kein Mensch weit und breit. Als Einzelpilger dürfte man hier in keine Notlage geraten…

Bei km 17 machen wir zwischen der Autobahn und der Nationalstrasse, die nur rd. 100 m auseinanderliegen auf einer Bank für Pilger eine längere Pause.
Obwohl nur noch 8 km vor uns liegen, kommt uns der Weg sehr lang vor. Er beinhaltet noch viele blöde Schotterpisten, die ich schweigend hinnehme, wie sie sind und versuche nicht umzuknicken, während Papa sich lauthals über diese beschwert. Auf seiner neuen Trackinguhr, die nicht nur Schrittanzahl, Distanz und Herzrate misst, sondern auch das Stresslevel, kann man bestimmt genau sehen, wann er sich wieder darüber aufregt…
Nachdem wir uns in einem Vorort von Astorga (Celada de la Vega) noch mit einem Getränk im örtlichen Restaurant stärken, geht es in einer großen Rechtskurve die letzten 4 km auf Astorga zu.

Kurz hinter der Iglesia de San Andrés trifft die Via de la Plata auf den Camino francés. Ab hier werden wir also mit vielen Pilgern gemeinsam weiter unterwegs sein. Nach weiteren 500 m sind wir am Ziel, dem Plaza Mayor, an dem auch unsere Unterkunft liegt, 7 Stunden und 15 Minuten sowie 24,5 km nach dem Start in La Bañeza.
Als wir in ein Lokal gegenüber gehen, um zu essen, dauert es eine Weile bis überhaupt irgendetwas passiert und wir von einer älteren Dame darauf hingewiesen werden, dass man zum Essen besser in das obere Stockwerk geht, da hier unten eher nur Getränke und Tapas zu sich genommen werden. Also gehen wir hoch. Die Bedienung im ersten Stockwerk, die sich anscheinend schon eine Weile – nur – mit Pilgern, die kein Spanisch sprechen, befassen muss, ist mega genervt und scheut sich auch nicht, dies offen zu zeigen.
Anstatt nach dem mäßigen Essen – oder wie Papa sagt: „Pilger-Touri-Nepp“ – also noch für weitere Getränke zu bleiben, wechseln wir die Location und gehen in eine Bar, die Papa früher schon häufiger aufgesucht hat. Hier ist das Personal sehr nett und zu jedem neuen Getränk bekommen wir einen neuen Teller Tapas. Nach zwei Getränken können wir nicht mehr, Erkenntnis des Tages: das Touri-Nepp-Menu vorher hätte man sich schenken können. Auch hier ist die spanische Preisgestaltung unschlagbar: 3 Getränke und ausreichend Tapas = 4,50 €.
Auf dem Rückweg zur Unterkunft schnell noch ein Blick auf das Rathaus

und dann ab aufs Zimmer. Morgen wird entspannt ausgeschlafen. Wobei Papa mit ausschlafen 8 Uhr meint, was von meiner Vorstellung von Ausschlafen etwas abweicht. Aber ich darf nach dem Frühstück wie es sich anhört wieder ins Bett gehen. Jackpot.























Und das tut es auch. Nach ziemlich genau vier Stunden sind wir also in Calzada de Valdunciel angekommen und machen uns auf die Suche nach einer Unterkunft für die Nacht.



Nach dieser Besichtigung gehen wir etwas weiter aus dem Stadtkern heraus, an das Ende einer sehr alten romanischen Brücke, von der aus man einen guten Blick über die Türme der Kathedralen und die große Universität hat.
Auf dem Rückweg zu unserer Unterkunft machen wir an einem kleinen Café im Univiertel Halt und stärken uns mit Churros und einem Bocadillo, einem typisch spanischen, belegten Baguette.