Mit dem Ende des gestrigen 2. großen Abschnitts (Zamora – Astorga) haben wir seit Beginn unserer Pilgerreise in Salamanca insgesamt 204 km zurückgelegt, davon 147 km zu Fuß. Insofern haben wir diesen Ruhetag heute im wahrsten Sinne des Wortes ruhig und ohne größere Aktivitäten verbracht.
Nicht nur beim Frühstück fällt auf, dass wir nicht mehr allein sind. Nicht so wie auf der Via de la Plata, auf der wir tagelang keiner Menschenseele begegnet sind. Und es ist auch nicht so, dass nur die Deutschen im Ausland immer negativ auffallen. So treffen wir überwiegend auf englischsprachige Pilger, meistens auch eher lebensälter.
Ausschlafen, ausgiebiges Frühstück, Wäsche, das sind die üblichen Themen an einem Ruhetag. Um keine kulturellen Defizite aufkommen zu lassen, suchen wir mittags die Kathedrale und den Bischofspalast auf.

Der Bischofspalast wurde 1913 fertiggestellt, ein Bischof ist dort aber nie eingezogen. Besser ist das, denn dieser wirkt fast noch prunkvoller als die benachbarte Kathedrale.

Heute ist dort ein Pilgermuseum untergebracht. Es wird mittels Skulpturen und Gemälden die Geschichte der Diözese und die Bedeutung Astorgas für das Pilgerwesen beim Zusammentreffen zweier bedeutender Pilgerwege beschrieben.


In der anschließenden Kathedrale einschl. Museum lassen wir uns vom Audioguide von Station zu Station geleiten. Obwohl es der gleiche deutsche Sprecher ist wie in den Kathedralen von Salamanca und Zamora, hatte er doch diesmal sichtlich Mühe, den Text abzulesen. Sachen gibt’s. Hervorzuheben ist hier der besonders prächtige Hauptaltar.

Da wir es ruhig angehen am heutigen Ruhetag, schöpfen wir nicht alle Möglichkeiten aus. So besuchen wir weder das Schokoladenmuseum (im 18. und 19. Jh. war Astorga das Zentrum der spanischen Schokoladenindustrie aufgrund der Kakaoanliefering über die galicischen Häfen) noch das romanische Museum direkt am Plaza Mayor, das noch Überreste eines Gewölbes beherbegt, das zur römischen Arena direkt an der Stelle des heutigen Plaza Mayor gehörte. Auch widmen wir uns nicht dem Buttergebäck, das hier an jeder Ecke zu sehen ist und können somit diesen bedeutenden Industriezweig Astorgas derzeit nicht unterstützen 😉
Die nächste Etappe von Astorga aus gesehen führt mit 25 km nach Foncebadón auf 1.439 m hinauf. Die Überquerung der Gebirgskette westlich von Astorga, die Montes de León, ersparen wir uns aber, ebenso die darauffolgenden Etappen nach Ponferrada, Villafranca del Bierzo, La Faba, Triacastela und Sarria. Das würden wir mit dem uns zur Verfügung stehenden Zeitkontingent nicht schaffen. Und nur für eine Gebirgsetappe extra Bergausrüstung mitschleppen ist dann doch ein bisschen viel. Diesen Teil werde ich mir mal zusammen mit dem Camino Francés, ggf. von León aus vornehmen.
Zudem schlägt das Wetter jetzt um. Heute ist es schon bedeckt gewesen mit Temperaturen von 6° bis 20° C. Am Donnerstag wird es mit 80% Regenwahrscheinlichkeit sicher nass. Aber wir sind weit entfernt von dem Unwetter, das gestern über Katalonien und die Balearen hinwegfegte.