Es regnet. Gestern Abend als wir nach dem Abendessen grade durch die Tür zur Unterkunft gegangen sind, hat es plötzlich damit angefangen zu schütten. Wir haben das gerade noch so trocken nach Hause geschafft. Und als wir heute morgen aufstehen, regent es immer noch. Es hat die ganze Nacht durchgerechnet, teilweise sehr heftig, mit Gewittern. Erst in den Morgenstunden hat es etwas nachgelassen. Der Boden auf dem Weg wird sehr aufgeweicht sein.
Nach einem – für mich – etwas nervösen Frühstück, da die Besitzerin der Pension einem ständig dazwischen fummelt, machen wir uns auf den Weg. Es ist extrem nebelig, die Wolken hängen tief. Papa sagt, die Luftfeuchtigkeit beträgt nahe 100%. Noch bevor wir Palas de Rei verlassen haben, rutscht er fast auf einem Gullideckel aus und jagt mir damit den Schrecken des Tages ein.

Die Etappe ist heute nur 13 km lang, aber zu Papas Unmut geht es lange bergauf, was er nicht besonders willkommen heißt. Ich hingegen finde bergauf gehen ziemlich gut, solange ich nicht dorthin gucke, wo ich hin will: nach oben.
Die KoPis sind heute wie vom Erdboden verschluckt. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten. Möglichkeit 1: Die sind wie immer um 08.30 Uhr auf die Piste gegangen und vor uns längst über alle Berge. Möglichkeit 2: Die haben sich entschieden, angesichts der Wetterlage auszuschlafen und mit dem Bus zur nächsten Station zu fahren. Da wir nirgendwo etwas von ihnen sehen, weder in Cafés auf dem Weg noch am Zielort, entscheiden wir uns für die sehr wahrscheinliche Möglichkeit 2. Es sind also nicht nur KoPis, sondern auch SchöPis (Schönwetter-Pilger). Jetzt wird’s komplex. Aus KoPis und SchöPis noch die richtige Abkürzung zu kreieren wird schwierig. KoSchöPis? Klingt doof. Wer dies liest und eine Idee für eine griffige Abkürzung hat, möge sich melden.
Der Regen mit der Folge des Ausbleibens der KoPis führt aber dazu, dass eine atemberaubende Stille auf dem Camino francés herrscht. Wer hätte das gedacht. Geht doch. Das schlechte Wetter hat sie wohl alle vertrieben. Dafür sehen wir heute tatsächlich eine Staffel waschechter Pferdepilger. Das beeindruckt sogar die Einheimischen.
Nach einem relativ kurzen Pilgertag erreichen wir um 14 Uhr den Stadtrand von Melide,

die Stadt mit dem angeblich besten Pulpo ganz Spaniens. Den werden wir (und mit wir meine ich hier Papa, weil ich Pulpo echt nicht mag) definitiv später essen.
Nachdem wir ein paar Tapas an der Bar unserer Unterkunft gegessen haben, begeben wir uns in die landestypische Siesta, nur um danach zur Pulperia zu gehen. Direkt fällt auf: Wir werden nicht so herzlich begrüßt wie Papa und Rebecca, als sie vor zwei Jahren hier waren. Papa nimmt einen mittleren Teller Pulpo und ich eine Tortilla, mit der ich sehr zufrieden bin. Papa ist leider etwas enttäuscht. Anscheinend haben nicht nur der Service, sondern auch die Kochkünste hier abgenommen. Mein Nachtisch soll ein Vanillepudding sein. Ob es wirklich einer ist, kann ich nicht wirklich beurteilen. Sieht auf jeden Fall interessant und abenteuerlich aus.

Morgen geht es wieder auf eine kürzere 13-km-Etappe, die allerdings auch hügelig werden soll. Und es wurde für den ganzen Vormittag wieder Regen angesagt. Das schreckt uns nicht, wir sind ja nicht aus Zucker 😉
Chapeau… Ich ziehe meinen Hut vor Euch. Besonders vor Dir, liebe Eva, denn Dein Papa wusste ja sehr gut, worauf er sich eingelassen hat. Endspurt…. Wünsche Euch einen guten Weg!
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